Hey! Heute habe ich ein großes Thema, zu dem ich einige Gedanken mit Dir teilen möchte: Es geht um Liebe. Und ja ich weiß – das Thema ist so groß, dass man darüber Doktorarbeiten aus unterschiedlichsten Disziplinen schreiben könnte. Aber ich möchte mich nicht in eine zu tiefe psychologische Analyse über die Liebe stürzen. Ich möchte Dir ein paar Ideen und Impulse geben, die Du so vielleicht noch nicht in Betracht gezogen hast.

#1 Liebe ist kein Gefühl!

Das mag zunächst verwirrend klingen, so ist doch Liebe das schönste “Gefühl” auf der Welt. Was wir aber eigentlich fühlen, wenn wir lieben ist nicht die Liebe selbst, sondern es ist Glück, Zuneigung und Intimität die wir fühlen. Und manchmal fühlen wir auch Schmerz, Eifersucht und Verletzung. Das bedeutet in erster Linie, dass wir durch Liebe Gefühle empfinden. Die Liebe selbst ist aber kein Gefühl.

Was ist Liebe dann?

Die Frage danach, was Liebe dann eigentlich ist, kann mit wissenschaftlichen Mitteln nicht beantwortet werden. Für mich ist Liebe eine universelle Kraft, mit der alles und jeder in Verbindung steht und über die wir Verbindung zu anderen Menschen, aber auch Tieren und der Natur erhalten. Liebe ist also zunächst nichts anderes als eine Verbindung. Diese kennt auch keine romantische oder sexuelle Ebene. Hier fangen die ersten Missverständnisse an.

#2 Warum Liebe, Lust und Attachment nicht das gleiche sind

Ich bin sicher, jeder von Euch hat schon die Erfahrung gemacht, dass Ihr jemanden getroffen haben und Euch sofort in diese Person verliebt habt. Ihr wolltet unbedingt die Anwesenheit und Aufmerksamkeit dieser Person, wolltet sie einfach nur um Euch haben und hattet das Gefühl “das muss es sein”. Und irgendwann kam dann immer der Punkt, an dem sich all diese Ideen und Wünsche in Schmerz und Drama verwandelt haben. Die Person der Träume reagierte nicht in dem Maß auf die Aufmerksamkeit und Zuneigung, welche Du ihr entgegengebracht hast. Vielleicht hast Du Dir dann mehr Mühe gegeben in der Hoffnung auch mehr von der anderen Person zu bekommen. Meist vergebens. Das ist keine Liebe!

Wenn Du so sehr an jemandem hängst, ist Dein Gefühl von “Liebe” von etwas abhängig, was im Außen liegt. Das geht mit Angst und Beklemmung einher. Wir haben Angst davor, jemanden zu verlieren, also drängen wir ihn dazu, etwas bestimmtes zu tun damit wir selbst uns besser fühlen können. Diese Art von “Liebe” fußt immer aus Dingen im Außen, kommt also nie aus dem Innen. Du lässt damit zu, dass jemand anderes die Kontrolle und die Verantwortung für Deine Gefühle hat. Wenn Du Dich aktuell in einer Phase des Kennenlernens befindest oder schon in einer Beziehung bist, und du hast immer öfter das Gefühl von Ablehnung oder Angst – dann vertrau diesem Gefühl. Das ist keine echte Liebe. Jeder Mensch hat andere Bindungsschemata und es ist wichtig diese zu kennen. Je besser Du weißt, wann ein Gefühl wirklich Liebe ist und nicht nur ein im Außen positionierter Auslöser für das Eingehen einer Bindung, desto besser wirst Du in der Lage sein auch Dein “Drama” zu minimieren.

“Try not to confuse attachment with love. Attachment is about fear and dependency and has more to do with love of self than love of another.”

Yasmin Mogahed

Und nicht zuletzt ist da die Lust. Lust beruht nur auf körperlicher Anziehung. Und wenn diese eine hohe Intensität erreicht, kann sie auch mit Liebe verwechselt werden. Ich will damit nicht sagen, dass sich aus der Lust keine echte Liebe entwickeln kann. Es gibt eine Millionen mögliche Wege, um Liebe aufzubauen. Aber die wahre Liebe ist etwas, das aus dem Inneren kommt und Dir Frieden und Ausgeglichenheit schenkt. Sie wird nicht durch Angst geschaffen. Von Zeit zu Zeit ist es also vielleicht eine gute Idee, sich selbst zu überprüfen und zu fragen, ob das, was Du fühlst, echte Liebe ist?

#3 Liebe hat viele Dimensionen

Es gibt die romantische Liebe, die Mutterliebe, die Bruderliebe, die Freundschaftsliebe und so viele andere. Und egal, für welche Dimension der Liebe Du Dich entscheidest, jeder wird diese Liebe ganz individuell wahrnehmen. Wenn Partner sich also gegenseitig “Ich liebe dich” sagen, meinen sie nicht beide dasselbe. Denn das Gefühl und die Empfindung im Inneren ist bei jedem anders. Deshalb geht es bei echter Liebe auch um Akzeptanz. Du musst akzeptieren, wenn Dein bester Freund nicht jemand ist, der Dich regelmäßig anruft, selbst wenn Du es Dir wünschst. Du musst akzeptieren, wenn Dein Partner nicht gut darin ist, Dir Komplimente zu machen, auch wenn Du es Dir wünschst. All das hat nichts mit Dir zu tun, sondern damit, wie andere Menschen sind. Es bedeutet nicht, dass Du nicht geliebt wirst. Jeder zeigt und drückt Liebe anders aus. Finde also die Liebes-Sprache von Deinem Partner und Dir selbst heraus um besser zu verstehen und auch besser auf den anderen eingehen zu können.

#4 Wie weiß ich aber nun, ob das was ich fühle echte Liebe ist?

Das kann man nicht auf wissenschaftlicher Ebene betrachten, denn Gefühle sind eben auch sehr subjektiv. Es gibt aber einige Punkte an denen Du festmachen kannst, ob das was Du fühlst wirklich echte Liebe ist:

  • Deine Gefühlswelt in Bezug auf die Person, die Du toll findest, ist überwiegend ruhig, gelassen, friedlich und ausgeglichen und nicht durch Angst, Beklemmung oder starke Eifersucht geprägt
  • Euer Miteinander gibt Dir Stärke und Stabilität
  • Euer Miteinander ist von Akzeptanz geprägt, auch wenn ihr manchmal nicht versteht warum der andere etwas bestimmtes tut oder sagt, führt das nicht zu impulsiven Streitgesprächen
  • Ihr erwartet nichts voneinander um Eure Liebe aufrecht zu erhalten, das was ihr euch gegenseitig gebt, tut ihr aus einer freien Entscheidung heraus

Wenn Du diese Punkte mit Ja beantworten kannst, kannst Du Dir ziemlich sicher sein, dass Eure Verbindung stark, gesund und von Akzeptanz geprägt ist.

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#5 Wie kann man anfangen, bessere Beziehungen auf der Grundlage von Liebe aufzubauen?

All das “Drama” was oben schon angeklungen ist und sicher jeder in irgendeiner Form schon einmal erlebt hat, habe auch ich schon zur Genüge mitgemacht. Schlicht und ergreifend, weil ich lange Zeit selber nicht wusste, was richtige Liebe eigentlich ist oder was es bedeutet zu lieben. In den meisten Fällen sind wir selber daran Schuld, wenn Dinge in die Brüche gehen, weil wir von Angst getrieben sind, weil wir nicht genug vertrauen können und einen Menschen nicht so akzeptieren können wie er ist.

Lieben zu können ist am Ende des Tages eine Entscheidung, die Du nur für Dich selbst im Inneren triffst. Diese Entscheidung darf an keine Erwartungen geknüpft sein.

  1. Übe Dich in Geduld – Gute Dinge werden immer Zeit brauchen. Schalte einen Gang runter und entspann Dich. Versuche nichts zu erzwingen oder jemanden zu drängen. Wenn es Liebe ist, wird sie Dich nicht verlassen!
  2. Kontrolliere Deine Gefühle – Wenn Du Ängste hast (“Er/Sie darf mich nicht verlassen”) oder aus einer Angst heraus das Bedürfnis hast, mit jemandem zusammen zu sein, sind das gute Anzeichen dafür, Eure Basis kein Ort des Friedens und des Gleichgewichts ist.
  3. Werde Dir selbst bewusster – Alles was wir uns im Außen wünschen, müssen wir zunächst für uns selbst im Innen erreichen. Wie man in den Wald hineinruft so schallt es auch wieder zurück. Bevor Du verzweifelt versuchst, Deinen Traumpartner zu finden, werde erst einmal der Traumpartner für jemand anderen. Arbeite an Dir selbst und sorge selbst für Dein Glück. Alles andere wird folgen.

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