Zum Inhalt springen

Fremdgehen: Warum es selten um den anderen Menschen geht

Wer fremdgeht, verlässt oft nicht den Partner, sondern die Rolle, die er in der Beziehung geworden ist. Was hinter Fremdgehen wirklich steckt und warum die Lüge lange vorher beginnt.

Erik RulandsErik Rulands · 24. Oktober 2026 · 15 Min. Lesezeit
Zwei Haustüren nebeneinander, eine schwarz lackiert, eine aus hellem Holz
Irgendwann kommt die Frage, und sie kommt fast immer in derselben Form: Warum? Warum hast du das getan? Und die Antwort, die dann kommt, macht alles noch schlimmer. „Ich weiß es nicht.“
Wer betrogen wurde, hört darin eine Ausrede. Wer fremdgegangen ist, sagt es meistens trotzdem, und erstaunlich oft stimmt es. Viele Menschen, die fremdgehen, wissen wirklich nicht, warum. Sie hatten keinen Plan und keine Absicht, die Beziehung zu beenden. Manche lieben ihren Partner sogar. Und trotzdem haben sie getan, was sie selbst nie für möglich gehalten hätten.
Die üblichen Erklärungen helfen da wenig. Die Beziehung war schlecht, oder der andere hat eben einen schwachen Charakter. Das trifft manchmal zu. Es erklärt aber nicht, warum Menschen auch aus Beziehungen fremdgehen, die sie selbst gut nennen. Die amerikanische Paartherapeutin Shirley Glass hat schon vor über zwanzig Jahren beschrieben, dass Affären auch in guten Ehen passieren, bei Menschen, die man nicht für den Typ dafür gehalten hätte. Und die Paartherapeutin Esther Perel, die sich wie kaum jemand sonst mit Untreue beschäftigt hat, sagt sinngemäß: Viele, die fremdgehen, sind mit ihrem Partner gar nicht so unzufrieden. Sie sind unzufrieden mit sich.
Ich sehe hinter dem Fremdgehen sehr häufig etwas anderes als Lust oder Unzufriedenheit mit dem Partner. Davon handelt dieser Beitrag. Er ist für beide Seiten geschrieben: für dich, wenn du fremdgegangen bist oder kurz davor stehst, und für dich, wenn es dir passiert ist.

Wer fremdgeht, verlässt oft nicht den Partner, sondern eine Rolle

Fast jeder Mensch spielt in seiner Beziehung irgendwann eine Rolle. Am Anfang nicht, da ist man einfach da, neugierig und manchmal unvernünftig. Mit den Jahren kommen Aufgaben dazu. Der eine wird der Verlässliche, der alles organisiert. Die andere wird die Vernünftige, die an alles denkt. Dann kommen Kinder, und man wird Vater oder Mutter. Dann kommen der Job mit Verantwortung und das Haus mit seinem Kredit.
Das ist normal und an sich kein Problem. Zum Problem wird es, wenn die Rolle den Menschen ersetzt. Wenn du in deiner Beziehung nur noch als Funktion vorkommst und niemand mehr, auch du selbst nicht, nach dem fragt, was du darunter bist. Du machst alles richtig. Nur gemeint fühlst du dich nicht mehr.
Und dann begegnet dir jemand, für den du keine Rolle hast. Dieser Mensch kennt dich nicht als den Verlässlichen oder die Vernünftige. Er erwartet nichts von dir, weil er nichts über dich weiß. In seiner Gegenwart bist du plötzlich wieder einfach da. Du lachst anders und sagst Dinge, die du zu Hause längst nicht mehr sagst. Du spürst dich.
Esther Perel beschreibt das so, dass Menschen in einer Affäre oft nicht nach einem anderen Menschen suchen, sondern nach einem anderen Selbst. Ich sehe das genauso und würde einen Schritt weitergehen. Das ist der Moment, den viele später als Verliebtsein beschreiben. Ich glaube, es ist sehr oft etwas anderes. Es ist die Erfahrung, für einen Moment nicht mehr Zuschauer des eigenen Lebens zu sein. Zu Hause kommentierst du dich ständig selbst: Was erwartet sie jetzt? Habe ich an alles gedacht? Mit dem anderen Menschen fällt dieser Kommentar für eine Weile weg. Du schaust wieder aus deinen eigenen Augen in die Welt, statt dich von außen zu überwachen.
Das erklärt, warum sich eine Affäre so lebendig anfühlt, auch wenn sie objektiv wenig zu bieten hat. Es geht selten um den anderen Menschen. Es geht um die Person, die du in seiner Nähe wieder bist. Und es erklärt, warum Affären oft enttäuschen, sobald sie zur Beziehung werden. Mit dem Alltag kommen die Rollen zurück, und mit ihnen der alte Kommentar im Kopf.

Die Lüge beginnt lange vor der Affäre

Fremdgehen gilt als Lüge, und das ist es auch. Aber ich glaube, die eigentliche Lüge beginnt viel früher, und sie hat mit dem anderen Menschen noch gar nichts zu tun.
Lügen heißt für mich nicht nur, bewusst etwas Falsches zu sagen. Es heißt auch, etwas zu sagen oder zu tun, das nicht dem entspricht, was du wahrnimmst. Aus Angst vor Streit, damit es ruhig bleibt. Du sagst „passt schon“, obwohl es nicht passt. Du sagst Ja zum Wochenende bei den Schwiegereltern, obwohl alles in dir Nein sagt. Du sagst „Ich bin nur müde“, wenn du eigentlich wütend bist.
Jede dieser kleinen Anpassungen ist für sich harmlos. Zusammen ergeben sie ein Leben, in dem du einen Teil von dir nicht mehr zeigst. Und dieser Teil verschwindet nicht. Er sammelt sich. Die Wut, die du nicht ausgesprochen hast, und das Nein, das du heruntergeschluckt hast, liegen irgendwo und warten.
Eine Affäre ist dann oft das erste Mal, dass dieses Nein handelt. Nur eben im Verborgenen. Sie ist ein Aufstand gegen die eigene Anpassung, der sich nicht traut, offen zu sein. Das macht sie nicht richtig. Aber es macht verständlich, warum Menschen, die als besonders angepasst und verlässlich gelten, manchmal genau die sind, die alle überraschen.
Ein Beispiel dafür, wie früh das anfängt, sind Beziehungen, die mit dem Kopf gewählt wurden. Der Partner passt auf dem Papier perfekt. Gleiche Werte, und die Familie mag ihn. Wenn man eine Liste mit Vor- und Nachteilen machen würde, stünde alles auf Grün. Und trotzdem fühlt sich etwas nicht lebendig an. Wer so gewählt hat, muss sich oft einreden, glücklich zu sein. Die Affäre ist dann nicht der Anfang der Unehrlichkeit. Sie ist der Moment, in dem das Gefühl sich die Entscheidung zurückholt, die der Kopf getroffen hat.

Das Geheimnis ist oft wichtiger als der andere Mensch

Fast alle, die über Fremdgehen sprechen, reden über den anderen Menschen. Ich finde etwas anderes oft aufschlussreicher: das Geheimnis selbst. Auch Esther Perel nennt die Heimlichkeit das, was eine Affäre überhaupt erst zur Affäre macht, noch vor dem Sex.
Eine Affäre ist ein Raum, den niemand kennt. Niemand kommentiert ihn, und niemand sagt dir, wie du dich dort zu verhalten hast. Für Menschen, die als Kinder kaum einen Raum für sich hatten, ist das eine enorm starke Erfahrung. Vielleicht wurde jedes deiner Erlebnisse sofort von einem Erwachsenen eingeordnet. Oder du hast nie etwas allein herausfinden dürfen, weil immer jemand daneben stand und es besser wusste.
Wer so aufwächst, verliert zwei Dinge, die jeder Mensch braucht: das Recht, selbst zu bestimmen, worauf er seine Aufmerksamkeit richtet, und das Recht, selbst zu deuten, was er erlebt. Ich nenne das Aufmerksamkeitslenkung und Deutungshoheit.
Das Geheimnis gibt beides zurück, für eine Weile. Es ist der einzige Ort, an dem dir niemand hineinredet. Das ist ein Grund, warum der Reiz für manche Menschen nachlässt, sobald die Affäre offen ist. Was sie wirklich gesucht haben, war nicht dieser Mensch. Es war ein Stück Leben, das nur ihnen gehört.
Wenn du dich darin wiedererkennst, ist die entscheidende Frage nicht, wie du die Affäre beendest. Sie lautet: Wo in deinem offenen Leben hast du keinen Raum, der dir gehört?

Zwei Räume, die nichts voneinander wissen

Wer betrogen wurde, fragt meistens auch: Wie konntest du mir jeden Abend in die Augen schauen? Wie konntest du mit mir den Urlaub planen und am nächsten Tag zu dem anderen Menschen fahren? Die Antwort ist unbequem. Oft hat sich das für den, der fremdging, nicht wie eine Lüge angefühlt. Beides war in dem Moment wahr.
In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff: Kompartmentalisierung, aus dem Englischen „compartmentalization“. Gemeint ist ein Schutzmechanismus, bei dem Gedanken und Gefühle, die sich widersprechen, in getrennten Fächern aufbewahrt werden. So müssen sie sich nie begegnen, und der innere Konflikt, den sie auslösen würden, bleibt aus. Zu Hause bist du der liebevolle Partner. Bei dem anderen Menschen bist du jemand, der sich lebendig fühlt. Zwischen den beiden Räumen gibt es keine Tür.
Das ist keine Ausrede, sondern eine Erklärung dafür, warum so viele Menschen aus allen Wolken fallen, wenn ihr eigenes Fremdgehen herauskommt. Das Schuldgefühl kommt oft erst in diesem Moment, mit voller Wucht, weil die beiden Räume plötzlich ineinanderfallen. Und es erklärt auch das „Ich weiß es nicht“ vom Anfang. Der Mensch, der gefragt wird, steht im einen Raum. Getan hat es der, der im anderen Raum lebt.
Ich halte diese Spaltung nicht für etwas, das erst in der Affäre entsteht. Sehr oft wurde sie lange vorher gelernt. Ein Kind, das zu Hause nicht so sein durfte, wie es war, lernt, zwei Menschen zu sein: den, der zu Hause funktioniert, und den, der es irgendwo anders, heimlich, sein darf. Bei manchen war das das Kinderzimmer mit geschlossener Tür, bei anderen die Clique, von der die Eltern nichts wussten. Unter starkem Druck kann sich ein Mensch außerdem innerlich von dem trennen, was er gerade erlebt. Das ist ein uralter Notmechanismus, der eigentlich nach der Gefahr wieder aufhört. Bei vielen hört er nie ganz auf. Wer so gelernt hat zu überleben, kann später zwei Leben führen, ohne dass es innerlich knirscht.
Die Spaltung gibt es übrigens auch auf der anderen Seite. Viele, die betrogen wurden, haben etwas geahnt und diese Ahnung in ein eigenes Fach gelegt. Auch das ist Schutz, und auch das ist kein Vorwurf.
Heilung heißt in diesem Sinne, die Tür zwischen den Räumen wieder einzubauen. Das ist schmerzhaft, weil dann zum ersten Mal beides gleichzeitig spürbar wird: die Liebe zu dem einen Menschen und das, was du ihm angetan hast. Aber erst dann bist du wieder ein ganzer Mensch, der eine Entscheidung treffen kann.

Welche Bindungsmuster dahinterstecken können

Neben den Phasen lohnt sich ein Blick darauf, wie du als Kind gelernt hast, dir Nähe zu sichern. In Bindungsstrategien beschreibe ich die vier Wege, die Kinder dafür finden. Jeder von ihnen kann sich im Fremdgehen wiederfinden.
Wer gelernt hat, lieb zu sein, vermeidet zu Hause jeden Konflikt und sagt selten, was er will. Die Affäre wird dann zum einzigen Ort, an dem eigene Wünsche vorkommen dürfen. Wer gelernt hat zu leisten, bekommt Zuwendung nur für Ergebnisse, und die Affäre fühlt sich an wie eine Belohnung, die man sich endlich einmal selbst nimmt. Wer gelernt hat zu rebellieren, erlebt im Regelbruch selbst etwas Lebendiges, weil Reibung sich für ihn schon immer nach Kontakt angefühlt hat. Und wer gelernt hat, Sorge zu machen, erzeugt manchmal genau die Krise, die endlich wieder Aufmerksamkeit bringt, auch wenn er das nie so geplant hat.
Dazu kommen die beiden Grundbewegungen, die in vielen Beziehungen wirken. Menschen mit Bindungsangst brauchen Abstand, sobald es nah wird. Für sie ist ein zweiter Mensch oft eine Möglichkeit, Nähe zu verteilen, damit keiner sie ganz bekommt. Bezeichnend ist, dass viele von ihnen die Affäre genau dann beenden, wenn der andere Mensch mehr will. Was an ihm reizte, war seine Unerreichbarkeit. Mehr darüber findest du in Bindungsangst überwinden.
Menschen mit Verlustangst gehen aus einem anderen Grund fremd. Wenn der Partner sich zurückzieht, suchen sie Bestätigung woanders, oder sie bauen sich vorsorglich einen Rückhalt auf, damit der Absturz nicht so tief wird, wenn er geht. Und manchmal findet sich die Verlustangst auf der dritten Position, bei dem Menschen, der jahrelang Geliebte oder Geliebter bleibt und darauf wartet, dass der andere sich endlich trennt. Dieses Warten fühlt sich vertraut an, weil es sich schon in der Kindheit so angefühlt hat, um Liebe anzustehen.

Was deine Prägung damit zu tun hat

Warum jemand fremdgeht, hat sehr oft mit der Not zu tun, die er aus seinen ersten Lebensjahren mitbringt. Die vier Phasen findest du ausführlich in Prägung in der Kindheit. Für das Fremdgehen zeigen sich einige Spuren häufig. Sie sind Hinweise und keine Zuordnung, und bei den meisten Menschen spielen mehrere zusammen. Am ehesten erkennst du deine Spur daran, wie es sich anfühlt und wann der Impuls kommt.
Führt die Spur in die Zeit des Vertrauens, also in die Frage „Bin ich sicher?“, dann ist Nähe für dich oft beides: ersehnt und bedrohlich. Eine zweite Beziehung kann sich dann wie ein Notausgang anfühlen. Du bist nie ganz an einem Ort, und genau das beruhigt dich. Der Impuls kommt häufig, wenn es zu Hause besonders eng oder verbindlich wird, etwa beim Zusammenziehen oder einer Verlobung.
Führt die Spur in die Zeit der Versorgung, also in die Frage „Ist genug für mich da?“, dann zeigt sich das sehr häufig als Hunger, den ein Mensch allein nie stillen kann. Ein zweiter Mensch ist dann wie eine zusätzliche Quelle. Oft ist auch Angst dabei, plötzlich ohne alles dazustehen, und die Affäre ist eine Art Vorrat. Der Impuls kommt häufig, wenn der Partner weniger verfügbar ist, etwa nach der Geburt eines Kindes.
Führt die Spur in die Zeit der Autonomie, also in die Frage „Darf ich Nein sagen?“, dann ist die Affäre häufig das versteckte Nein, von dem ich oben geschrieben habe. Zu Hause passt du dich an und schluckst deine Wut. Heimlich holst du dir ein Stück Freiheit zurück. Wie viel gestaute Wut darin stecken kann, liest du in Unterdrückte Wut. Der Impuls kommt hier oft nach langen Phasen, in denen du dich zurückgenommen hast.
Führt die Spur in die Zeit der Leistung, also in die Frage „Darf ich gesehen werden?“, dann geht es häufig um den Blick des anderen. Begehrt zu werden ist der Beweis, dass du noch etwas wert bist. Der Partner sieht dich längst nicht mehr so, also braucht es ein neues Publikum. Der Impuls kommt häufig nach Kränkungen oder an Lebenspunkten, an denen du dich fragst, ob das schon alles war.

Sucht kommt von suchen

Manche Menschen gehen nicht einmal fremd, sondern immer wieder. Sie beenden eine Affäre, schwören sich, dass es das letzte Mal war, und ein paar Monate später beginnt die nächste. Das wird gern als Charakterfrage behandelt. Ich halte es eher für eine Suche.
Wer süchtig ist, sucht etwas. Er spürt, dass ihm etwas fehlt, weiß aber nicht genau, was. Also greift er zu etwas, das sich kurz so anfühlt, als würde es die Lücke füllen. Für einen Moment ist es gut, dann kommt die Leere zurück, oft noch größer als vorher. Beim Essen kennen das viele, beim Feierabendwein auch. Beim Fremdgehen funktioniert es nach demselben Muster.
Was dabei gesucht wird, ist aus meiner Sicht viel seltener Sex, als man denkt. Viel häufiger ist es eines der Dinge, die ich oben beschrieben habe: das Gefühl, wieder lebendig zu sein, die Erfahrung, gemeint zu sein, ein Raum ohne Kommentar, ein Blick, der dich sieht. Die Affäre liefert davon eine Dosis, aber nie genug. Denn das Bedürfnis dahinter ist eines, das in deinem eigenen Leben erfüllt werden will, nicht in einem Versteck.
Solange du das nicht siehst, wechselst du nur die Menschen. Die Suche bleibt dieselbe.

Und wenn du derjenige bist, der betrogen wurde

An dieser Stelle muss ich etwas klarstellen, weil es sonst leicht falsch verstanden wird. Wer fremdgeht, trägt dafür die Verantwortung. Keine Kindheit und keine Rolle nimmt ihm das ab. Er hätte reden oder sich trennen können. Er hat sich für das Geheimnis entschieden, und der Schmerz, den das auslöst, ist real.
Trotzdem möchte ich dich einladen, auf deine Seite der Beziehung zu schauen. Nicht um dir Schuld zu geben. Sondern weil du sonst womöglich die nächste Beziehung genauso erlebst.
Vielleicht hast du gespürt, dass etwas nicht stimmt, und es nicht wissen wollen, weil dir die Ruhe wichtiger war als die Wahrheit. Konflikte haben sich für dich womöglich schon als Kind lebensgefährlich angefühlt. Oder du hast selbst eine Rolle gespielt, die Verständnisvolle, der Pflegeleichte, und dabei aufgehört, dich wirklich zu zeigen. Dann waren in eurer Beziehung irgendwann nicht mehr zwei Menschen, sondern zwei Bilder, die sich begegnet sind.
Auch die Art, wie du jetzt reagierst, sagt etwas über deine Prägung. Wenn du merkst, dass du alles verzeihen würdest, nur damit er bleibt, lohnt sich ein Blick in Verlustangst in der Beziehung. Wenn du merkst, dass du in einer Beziehung bleibst, die dir immer wieder wehtut, findest du in Toxische Beziehungen und Prägung einen anderen Blick darauf.
Wenn dein Körper auf den Verrat mit Schlafstörungen oder Herzrasen reagiert, nimm das ernst und lass es ärztlich abklären. Ein Vertrauensbruch kann das Nervensystem heftig erschüttern, und du musst das nicht allein tragen.

Was hilft, bevor es passiert und danach

Wenn du gerade spürst, dass dich jemand anzieht, und du weißt, dass es gefährlich wird, dann stell dir eine andere Frage als die übliche. Nicht: Liebe ich meinen Partner noch? Sondern: Was erlebe ich in der Nähe dieses Menschen, das ich in meinem Leben gerade nicht erlebe? Die Antwort darauf ist wertvoll. Sie zeigt dir, wo du in deinem Alltag nicht mehr vorkommst.
Und dann fang an, die kleinen Lügen zu beenden, bevor die große kommt. Sag das Nein, das du seit Monaten schluckst. Sag, was dich wirklich stört, auch wenn es Streit gibt. Bring das Lebendige, das du gerade woanders spürst, zurück in dein offenes Leben. Manchmal rettet das die Beziehung. Manchmal zeigt es dir, dass sie zu Ende ist. Beides ist ehrlicher als ein Geheimnis.
Wenn es schon passiert ist, dann ist die wichtigste Frage für euch beide nicht, wer schuld ist. Esther Perel unterscheidet hier zwei Seiten, die beide gehört werden müssen: was die Affäre dem einen angetan hat und was sie für den anderen bedeutet hat. Verstehen heißt dabei nicht entschuldigen. Und dann gibt es eine Frage, die euch beide betrifft: Was haben wir beide nicht mehr gelebt? Ob ihr danach zusammenbleibt oder euch trennt, kann nur jeder von euch selbst entscheiden. Beides kann richtig sein. Was aus meiner Sicht nicht trägt, ist der Versuch, die Sache durch Kontrolle zu reparieren. Das Handy prüfen und jeden Schritt wissen wollen: Das beruhigt kurz und macht aus der Beziehung genau den Raum ohne Freiheit, aus dem einer von euch schon einmal geflohen ist.
Solche Muster verändern sich selten allein durch Nachdenken, weil sie im Körper sitzen und in Beziehung entstanden sind. Sie verändern sich am ehesten in einer Beziehung, in der du dich zeigen kannst, ohne eine Rolle spielen zu müssen. Das kann ein Partner sein oder auch ein Mentoring.
Mehr über die Muster, die sich in Beziehungen wiederholen, findest du unter Beziehungen & Muster.
Quellen und Bezüge2 Quellen

Glass, Shirley P. — Not „Just Friends“: Rebuilding Trust and Recovering Your Sanity After Infidelity
New York: Free Press, 2003.

Perel, Esther — The State of Affairs: Rethinking Infidelity
New York: Harper, 2017.

Erik Rulands
Ursachen-Analyse-Gespräch

Wenn du dich hier wiedererkennst.

Im Ursachen-Analyse-Gespräch schauen wir gemeinsam darauf, woher dein Muster kommt und was es heute noch steuert.

Weiterlesen

Lies weiter.